Frankfurt/Main (26.11.25) – Die Deutsche Bank prognostiziert in ihrem Kapitalmarktausblick für 2026 eine insgesamt robuste Entwicklung der Weltwirtschaft, die jedoch weiterhin von geopolitischen Risiken und politischen Unsicherheiten geprägt sein wird. Der durch Künstliche Intelligenz (KI) vorangetriebene Strukturwandel dürfte sich als zentraler Wachstumsmotor etablieren und Anlegern vielfältige Investitionsmöglichkeiten bieten. In diesem komplexen Umfeld sind die Experten der Bank überzeugt, dass ein aktives Risikomanagement und gezielte Investitionen jenseits traditioneller Anlageklassen entscheidend für eine stabile und solide Vermögensallokation sein werden.
Prognosen für Ende 2026:
| Markt | Vorhersage |
| DAX | 26.100 Punkte |
| Eurostoxx 50 | 5,950 Punkte |
| S&P 500 | 7.500 Punkte |
| Öl (Brent) | 60 US-Dollar/Fass |
| Gold | 4.500 US-Dollar/Unze |
| Deutsche 10-jährige Staatsanleihen | 2,70 Prozent |
| US 10-jährige Staatsanleihen | 4,15 Prozent |
| EUR/USD | 1,15 US-Dollar |
Die Wertentwicklung in der Vergangenheit und Prognosen sind keine verlässlichen Indikatoren für die zukünftige Wertentwicklung. – Quelle: Chief Investment Office der Deutschen Bank.
Christian Nolting, Global Chief Investment Officer der Deutschen Bank, blickt grundsätzlich positiv auf die Märkte im Jahr 2026, betont aber gleichzeitig die zunehmenden Risiken. „Für 2026 erwarten wir eine insgesamt robuste Entwicklung der Weltwirtschaft. Dennoch bleibt die Vielzahl bestehender und potenzieller Krisen und Konflikte eine Herausforderung für Anleger“, so Nolting.
In Bezug auf die internationale Politik hofft er auf Kooperation statt Konfrontation. „Klientelismus und Kompromisslosigkeit gefährden die Stabilität der internationalen Beziehungen“, warnt Nolting. Anhaltende Risikofaktoren – wie die Lage im Nahen Osten, der Krieg in der Ukraine und die Spannungen zwischen China und Taiwan – bleiben ebenso dringlich wie die Sorgen um die hohe Inflation und die hohe Staatsverschuldung.
Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist nach wie vor der bedeutendste weltweit. Zwar bietet die jüngst vereinbarte „Zollruhe“ vorübergehende Entlastung, doch bestehen weiterhin strategische Differenzen im Bereich Halbleiter und Seltenerdmetalle. „Weitere Störungen der globalen Handelsbeziehungen könnten sich negativ auf Wirtschaft und Kapitalmärkte auswirken, da Zölle als indirekte Steuern auf internationale Lieferketten wirken“, erklärt Nolting.
Künstliche Intelligenz (KI) bleibt ein zentraler Wachstumstreiber, mit massiven Investitionen vor allem in den USA und China. „KI ist ein Wendepunkt und wird auch 2026 ein strukturelles Wachstumsthema bleiben“, erklärt Nolting. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht: „Überinvestitionen und Stromengpässe könnten die Erwartungen dämpfen.“ Parallel dazu ist die Wirtschaftspolitik zunehmend von staatlichen Eingriffen geprägt. Während positive fiskalische Impulse das Wachstum fördern, bergen Subventionen und Exportbeschränkungen langfristige Risiken. „Nicht jeder staatliche Eingriff führt zum Erfolg. Fehlallokationen können die Wettbewerbsfähigkeit schwächen“, warnt Nolting.
Laut Nolting ist daher eine breit diversifizierte Anlagestrategie für Investoren unerlässlich. „Langfristiger Anlageerfolg basiert auf Disziplin, aktivem Risikomanagement und der Bereitschaft, Chancen in verschiedenen Anlageklassen zu nutzen“, fasst er zusammen.
Robin Winkler, Chefökonom für Deutschland bei Deutsche Bank Research, sieht einen Wendepunkt für die deutsche Wirtschaft. Nach Jahren der Stagnation rechnet er mit einer Erholung im Jahr 2026. „Obwohl die deutsche Wirtschaft die Rezession in diesem Jahr überstanden hat, wird der eigentliche Aufschwung voraussichtlich erst im nächsten Jahr einsetzen. Für 2026 prognostizieren wir eine spürbare wirtschaftliche Erholung und ein BIP-Wachstum von bis zu 1,5 Prozent. Gleichzeitig dürfte sich der Arbeitsmarkt zumindest stabilisieren“, so Winkler.
Den stärksten Wachstumsimpuls wird eine deutliche Erhöhung der Staatsausgaben liefern, während private Konsumenten und Investoren vorerst nur geringfügige Wachstumsimpulse geben dürften. „Eine ermutigende Entwicklung sind jedoch die substanziellen Unternehmensinvestitionen in geistiges Eigentum, die zunehmend die schwachen Investitionen in Ausrüstung kompensieren“, so Winkler. Neben neuen staatlichen Nachfrageimpulsen im Tiefbau erwartet er eine erste, zaghafte Erholung im Wohnungsbau. Der Außenhandel wird das Wachstum aufgrund der anhaltenden Wettbewerbsschwäche jedoch weiterhin bremsen.
Die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung spielt eine Schlüsselrolle. „Die Zinssenkungen der EZB sind abgeschlossen, und die Geldpolitik wird keine weiteren expansiven Impulse mehr liefern. Der Sonderfonds für Infrastruktur und Klimaneutralität muss gezielt eingesetzt werden, um langfristige Wachstumseffekte zu erzielen“, so Winkler. Darüber hinaus müsse die Regierung längst überfällige Strukturreformen, wie den Bürokratieabbau, angehen.
Ulrich Stephan, Chief Investment Officer Deutschland im Private Banking der Deutschen Bank, erwartet für 2026 eine Erweiterung der Investitionsmöglichkeiten, rät aber zu einem disziplinierten Vorgehen: „Das Investitionsjahr 2026 wird durch eine breitere Streuung der Chancen geprägt sein. Künstliche Intelligenz bleibt zwar ein zentraler Wachstumstreiber, doch auch andere Sektoren und Regionen holen auf. Eine erfolgreiche Langzeitstrategie bedeutet nicht, Risiken zu vermeiden, sondern sie aktiv zu suchen, zu bewerten und bewusst einzugehen. Für Anleger heißt das, diszipliniert zu bleiben, Risiken aktiv zu managen und bewusst über etablierte Favoriten und Benchmarks hinauszublicken.“
Laut Stephan dürften die Aktienmärkte im Jahr 2026 breiter diversifiziert sein. Während die großen Technologiekonzerne dank des KI-Booms weiter an Stärke gewinnen werden, dürften auch andere Regionen und Sektoren ihren Aufholprozess fortsetzen. „Wir erwarten für die meisten Regionen ein solides zweistelliges Gewinnwachstum, das sich auf mehr Sektoren als in den Vorjahren erstreckt“, erklärt Stephan.
Neben Technologieunternehmen dürften auch Branchen wie das Baugewerbe (Rechenzentren), Energieversorger (steigender Strombedarf) und Industrieunternehmen entlang der Lieferkette vom KI-Boom profitieren. „Auch Banken sollten aufgrund der hohen Kapitalmarktaktivität und des stabilen Zinsumfelds gut abschneiden“, so Stephan.
Neben den Kerninvestitionen könnten Sektoren wie die Pharmaindustrie und der Luxusgütersektor wieder in den Fokus rücken und voraussichtlich von nachlassenden handelspolitischen Hürden und einer sich erholenden Nachfrage profitieren. Auch Aktien kleiner und mittlerer Unternehmen könnten für Anleger attraktiv werden; sie profitieren insbesondere von niedrigeren Zinsen und einer starken Binnenmarktorientierung.
Laut Stephan hat sich an den Anleihemärkten ein stabiles Umfeld etabliert. „Die Zinsstrukturkurven haben sich normalisiert, und Anleger werden wieder für längere Laufzeiten belohnt. Positive Realrenditen sind bei Staatsanleihen in den USA und Europa wieder möglich“, so Stephan. Der Fokus wird 2026 eindeutig auf Zinserträgen und weniger auf Kursgewinnen liegen.
Bei Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade) sind die Risikoprämien (Spreads) historisch gesehen gering, was das Risiko negativer Überraschungen erhöht. Qualität und die Auswahl solider Emittenten seien daher entscheidend, so Stephan. „Obwohl die Renditen im Hochzinssegment attraktiv erscheinen, würden wir aufgrund der höheren erwarteten Ausfallraten generell Wertpapiere mit Investment-Grade-Rating bevorzugen“, rät Stephan.
„Für ein solides Portfolio sind alternative Anlagen nicht mehr nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit“, sagt Ulrich Stephan. Sie bieten Privatanlegern die Möglichkeit, ihr Portfolio über traditionelle Märkte wie Aktien oder Anleihen hinaus zu diversifizieren. Experten sehen insbesondere in den Bereichen Private Equity, Infrastruktur und Private Credit interessante Chancen für 2026.
Private Equity investiert in nicht börsennotierte Unternehmen und ermöglicht die Teilhabe an deren Wertentwicklung, was mit einem höheren Aktienrisiko verbunden ist. Investitionen in Infrastrukturprojekte wie Energie oder Rechenzentren versprechen hingegen stabile Renditen, gestützt durch langfristige Verträge und einen hohen globalen Investitionsbedarf.
Der private Kreditsektor, d. h. die direkte Kreditvergabe an Unternehmen, ist aufgrund gestiegener Zinssätze stark gewachsen und kann durch variable Zinssätze einen Inflationsschutz bieten, birgt aber auch Ausfallrisiken.
Anleger sollten beachten, dass diese Anlageformen höhere und oft weniger vorhersehbare Risiken bergen. Ulrich Stephan betont: „Bei alternativen Anlagen geht es weniger um die Maximierung der Rendite als vielmehr um ein intelligentes Risikomanagement.“ Ihr Hauptzweck ist daher die Diversifizierung und Stabilisierung der Gesamtanlagestrategie.
Im Rohstoffsektor hebt Stephan die immense strategische Bedeutung von Seltenen Erden hervor, die für Schlüsseltechnologien wie KI und Elektromobilität unverzichtbar sind. „Der Wettlauf um den Zugang zu diesen kritischen Mineralien und die Suche nach Ersatzstoffen werden sich intensivieren. Dies bietet spezialisierten Unternehmen langfristige Chancen“, so der Chief Investment Officer.
Auf dem Ölmarkt rechnet er aufgrund eines erwarteten globalen Überangebots mit weiterhin niedrigen Preisen. Im Gegensatz dazu sieht er weiteres Aufwärtspotenzial für Gold und erklärt: „Die starke Nachfrage von Zentralbanken und Investoren, die eine Absicherung für ihre Technologieinvestitionen suchen, dürfte den Goldpreis im Jahr 2026 stützen.“
Nach einer deutlichen Abwertung Anfang 2025 erwartet Stephan eine Stabilisierung des US-Dollars im kommenden Jahr. „Ein starker US-Aktienmarkt, angetrieben von KI-Investitionen und fiskalischen Anreizen, dürfte entsprechende Kapitalzuflüsse in den Dollar gewährleisten“, erklärt er. Zwar würden Gegenwinde durch die erwarteten Zinssenkungen der Fed und die hohe US-Staatsverschuldung entstehen, doch insgesamt scheinen sich die treibenden und dämpfenden Faktoren auszugleichen, was auf eine stabile Entwicklung gegenüber dem Euro hindeutet.